Solothurner Komitee „Ja zur 1:12 – Initiative“: „Abzockerlöhne sind kein Naturgesetz!“

An der Pressekonferenz vom 18. Oktober in Solothurn argumentiert das Solothurner Komitee „Ja zur 1:12 –Initiative“ für Lohngerechtigkeit. Die Initiative löst in der Schweiz intensive Diskussionen aus und wird auch international beachtet: „Mehr Gleichheit führt zu mehr Wohlstand: 1:12 wird die Schweizer glücklicher machen.“ So der englische Professor Richard Wilkinson. Auch die Komitee Mitglieder sind davon überzeugt.

Felix Wettstein (Grüne)

1:12 für mehr Gesundheit und andere erwünschte Nebeneffekte. Die Belegschaft in Betrieben mit hohem Lohngefälle ist weniger gesund, als jene mit flacherer Verteilung. Innere Kündigung, höhere Fluktuation und schwindende Identifikation mit dem Betrieb sind die Folgen. Finanzielle Ängste sind unbegründet, denn bei gleicher Lohnsumme bleibt der AHV Beitrag gleich. Auch verursacht jede Veränderung des Steuersatzes um ein Prozent grössere Folgen in der Staatskasse, als die Initiative. Ob Lohnexzesse oder Steuergeschenke – es sind immer dieselben, die sich bedienen. Mit einem Ja zu 1:12 kann man dem vorbeugen.

 

 

Cyrill Bolliger (Junge Grüne)

Wo ein Marktversagen herrscht, muss der Staat korrigieren. Märkte produzieren nicht unbedingt gerechte Einkommensverteilung. Sie können völlig unakzeptable Ungleichheiten hervorbringen, so Paul S. Samuelson. Nach der Lehre der freien Marktwirtschaft ist es in solchen Fällen die Aufgabe des Staates, in den Markt einzugreifen. Die 1:12 Initiative ist eine Massnahme, die auf unsere Ungleichheit reagiert und wieder mehr Gerechtigkeit herstellt und alle sollen damit wieder von ihrer Arbeit profitieren können.

 

 

 

Sebastian Walter (JUSO

Topmanagement bedient sich – 1:12 als Reaktion auf Lohnexzesse. Die 1:12 Initiative will, dass kein Lohn in einem Unternehmen höher ist, als das Zwölffache des tiefsten Lohns. Gegen das schamlose Bedienen der CEOs wird somit konkret vorgegangen. Das trifft einen Nerv, denn die Initiative wird heiss diskutiert. Das Problem hat jeder verstanden. Die JUSO will nun handeln. Sie kämpfen mit Kreativität und motivierten AktivistInnen gegen die Angst-Kampagne des millionenschweren Gegner-Komitees. So wollen sie die Bevölkerung überzeugen.

 

Franziska Roth (SP)

Ein Kampf für die Gerechtigkeit. Durchschnittliche Löhne sind seit 2002 um 2,8% gewachsen, Löhne im Topmanagement um 80%. 400 000 Menschen leben in der Schweiz unter der Armutsgrenze. Es geht also um Gerechtigkeit, Gleichstellung und Menschenrechte, denn Abzockerlöhne sind kein Naturgesetz. Wir wollen, dass Lohn und Leistung wieder in einem Verhältnis zueinander stehen. Es kann nicht sein, dass ein Creditsuisse Chef im Krisenjahr 2009 91 Millionen kassiert. Das sind 250 000 Franken pro Tag und 10 000 pro Stunde. Es ist Zeit, dass die Demokratie der Wirtschaft Grenzen setzt.

 

 

Niklaus Bolliger (Landwirt)

Wir bestimmen die Spielregeln. Die 1:12 Initiative wird die Landwirtschaftsbetriebe nicht betreffen. Doch es handelt sich um einen Grundsatzentscheid für Lohngerechtigkeit. Es ist der Verdienst der direkten Demokratie, dass das Volk die Spielregeln festlegen kann. Und hier schreibt eine Gesellschaft in ihre Verfassung, was sie unter gerechten Löhnen versteht. Vor 32 Jahren wurde der Grundsatz: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit verankert. Dies ist auch im Interesse der Landwirtschaft. So würden wir einen weiteren Schritt in eine gerechtere Zukunft machen.

 

Markus Baumann (GbS)

1:12 stärkt den Werkplatz Schweiz. Gemäss „Global Innovation Index“ ist die Schweiz das innovativste Land der Welt (Rangliste 1. Juli 2013) – insbesondere dank unseren KMU‘s. Grosse Lohnunterschiede sind dabei kein Erfolgsrezept – denn während z.B. Top-Manager Schweizer Grossbaken ruinierten, führen Manager von Kantonal- und Genossenschaftsbanken im gleichen Umfeld ihre Unternehmen erfolgreich. „Manager, welche ernsthaft darüber nachdenken, ein Unternehmen ins Ausland zu verlagern, nur um sich persönlich zu bereichern, sind keine Top-Manager. Auf sie können wir verzichten!“