Solothurn auf dem Reissbrett planen?

An der ersten Versammlung 2015 liessen sich die Grünen vom Stadtplaner Daniel Laubscher über den Stand der Ortsplanung informieren. Es wurde eine sehr interessante und erfolgreiche Veranstaltung.

Die Veranstaltung begann mit einem Paukenschlag: Irgend etwas war mit der Raumreservation schiefgelaufen – das Sitzungszimmer im Café Landhaus war besetzt. Spontan bot der Referent das Sitzungszimmer des Bauamtes an, wo wir nicht nur vom Gastrecht als solchem, sondern auch von der perfekten Infrastruktur profitieren konnten.

Stadtplaner Daniel Laubscher verwöhnte uns aber auch mit einem spannenden Vortrag, in dem er die ganze Breite seines Aufgabengebietes, aber auch die teils gegensätzlichen Ansprüche beleuchtete. Die relativ zahlreichen Teilnehmenden gingen lebhaft auf seine Ausführungen ein, stellten Fragen und brachten eigene Ideen ein. Insbesondere der Vertreter der Jungen Grünen, Niels Kruse, fragte wiederholt, wo denn die Wünsche der Jungen in die Planung eingehen würden. Esther Boder erkundigte sich nach Möglichkeiten für die informelle Nutzung des öffentlichen Raums. Der Referent versicherte, dass diese Bedürfnisse erfasst seien, ihnen aber nicht in jedem Sektor der Stadt entsprochen werden könne, insbesondere z.B. nicht im Rahmen der Zentrumsüberbauung «Bahnhof Süd», die er als gutes Beispiel einer Sanierung angeführt hatte.

Daniel Laubscher wies aber darauf hin, dass der ganze Prozess sich erst am Schluss von Phase 1 befinde (Stadtanalyse und -entwicklungskonzept). Das Resultat dieser Phase, in welcher die Wünsche der Bevölkerung mit einem Fragebogen erfasst wurden, diejenigen der Jungen mit Hilfe der Kofmehl über soziale Medien, müsse nun vom Gemeinderat sanktioniert werden und bilde dann die Vorgabe für Phase 2 (Masterplanung und Konzepte). In seinen Ausführungen blinkten immer wieder den Grünen bestens vertraute Schlagworte auf: Verdichtung, autofreies Wohnen, angebotsorientierte Verkehrsplanung, genossenschaftliches Wohnen, Durchmischung, Landabgabe im Baurecht. Gerade diese Aspekte könnten im GR auf Opposition stossen.

Vortrag Stadtplaner

Klar machte er, dass die Stadt nicht neu auf dem Reissbrett geplant werden kann, sondern sich in den bestehenden Quartieren chaotisch weiterentwickeln wird. Die Stadt muss dabei darauf achten, dass Verdichtung nicht einfach zu mehr Wohnraum pro Wohneinheit führt. Durch Kontakte mit den Eigentümern in einem bestimmten Sektor, versucht die Stadt der individuellen Optimierung mit einer Optimierung im Gesamtinteresse zuvorzukommen.

Am Schluss ging der Referent noch kurz auf die Situation im Gebiet «Weitblick» ein. Hier machte er klar, dass die für dieses Gebiet festgelegten Grundsätze (bezüglich Energie, Mobilität, Durchmischung) nur bei einer Landabgabe im Baurecht durchgesetzt werden können. Bereits geprüfte Projektideen werden diesen Ansprüchen nicht gerecht.

Interessantes Referat – lebhafte Beteiligung – es war ein gelungene Veranstaltung!