Regierungsrat sieht keinen Handlungsbedarf für Arbeitssuchende über 50 – Ein „Schlag ins Gesicht“ für die Betroffenen

Letzte Woche hat der Nationalrat eine Motion überwiesen die verlangt, das Potential von älteren Arbeitnehmenden deutlich besser auszuschöpfen. Aus Sicht der CVP und BDP packt der Bundesrat die Herausforderung „zu wenig konsequent an“. Keinen Handlungsbedarf hingegen sieht unser Regierungsrat. Die Antworten auf meine Interpellation „Arbeitssuchende über 50“ sind ernüchternd, ein „Schlag ins Gesicht“ vieler der ca. 1000 älteren, in den letzten Jahren ausgesteuerten Arbeitswilligen.

Die Antwort zeugt von „Null-Ahnung“ was dies sozial und psychisch für Personen bedeutet, die ein Leben lang gearbeitet haben und ständig vom Fachkräftemangel hören. Kein Wort darüber, dass Vermittlungsbüros Dossiers dieser Gruppe oft zurückweisen mit der Begründung „nicht mehr vermittelbar“, in Unkenntnis der benötigten Motivation – die bei hunderten abgewiesenen Bewerbungen aufgebracht werden muss. Dass der Regierungsrat die Perspektive dieser Gruppe „gesamthaft als intakt“ beurteilt, obwohl vielen ein Abrutschen in die Sozialhilfe droht, ist unverständlich.

Dabei sind dies oft Personen mit guter bis sehr guter Aus- und Weiterbildung, die „selber schuld“ sind, dass sie sich im schnell wandelnden Markt nicht auf den neusten Stand gebracht haben, nicht so schnell mit den neusten Computerprogrammen sind. Die höheren Sozialabgaben des Arbeitgebers sollen nach Ansicht des Regierungsrates von untergeordneter Bedeutung sein. Doch es ist die Summe von Lebensalter, nicht neustem Qualifikationsstand und hohen Sozialabgaben die eine Wiederanstellung oft verunmöglichen. Die Antworten tönen wie „aus sicherer Distanz“. Mehr Empathie und kreative Ideen wären angebracht, um dem Arbeits-Potential ü50 vermehrt eine echte Chance zu geben.

 

Doris Häfliger
Kantonsrätin Grüne