Grüne äussern sich konstruktiv kritisch zum Lehrplan 21

Felix Wettstein, Kantonsrat Grüne, Olten | 06.12.2013

Die Grünen Kanton Solothurn unterstützen die wichtigsten Prinzipien für den Lehrplan 21. Damit erfüllen die Deutschschweizer Kantone, was ihnen die Bevölkerung mit der Zustimmung zum Bildungsartikel aufgetragen hat. Wesentliche Verbesserungen orten die Grünen im Bereich „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“.
Die Grünen Kanton Solothurn äussern sich erfreut über die durchgehende Kompetenzorientierung des Lehrplans 21 und die damit einhergehende Schülerinnen- und Schülerorientierung. Sie finden richtig, dass in allen Schulstufen und in allen Fachgebieten zwischen Mindestansprüchen und darauf aufbauenden Kompetenzstufen unterschieden wird. Sie schätzen zudem, dass der Lehrplan 21 weit mehr als ein Fachlehrplan ist. Er gewichtet die überfachlichen Kompetenzen hoch und trägt damit zu einer Persönlichkeitsbildung im Sinne von Menschenbildung bei: verantwortliches Handeln sich selbst, den Mitmenschen und den natürlichen Lebensgrundlagen gegenüber.

Die Grünen können gut nachvollziehen, dass der aktuelle Entwurf zum Lehrplan 21 Ergebnis einer pragmatischen Suche nach dem gemeinsamen Nenner der kantonalen Lehrpläne ist: Er verfolgt keine visionär neue Idee, sondern entspricht weit gehend dem herkömmlichen Fächerdenken und geht im Fachgebiet „Natur, Mensch, Gesellschaft“ im Ansatz neue Wege.

Weiter teilen die Grünen die Sorge, dass der Lehrplanentwurf in verschiedenen Fachbereichen zu viele Kompetenzen enthält und damit überfrachtet ist. Die diesbezüglichen Bedenken von Berufsleuten, welche die Grundorientierung des Lehrplans 21 mittragen, sind unbedingt ernst zu nehmen. Demgegenüber kommt das Thema „Schule als Lebensraum“ mit Lernchancen ausserhalb des Unterrichts aus Sicht der Grünen noch zu kurz. Positiv ist, dass das Thema „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ an vielen Orten in den Fachlehrplänen präsent ist. Ein gravierender Mangel liegt jedoch darin, dass in den spezifischen Ausführungen zum fachübergreifenden Thema „Nachhaltige Entwicklung“ keine Kompetenzen und keine Angaben zu einem gestuften Aufbau definiert sind. Das wertet dieses für die Bewältigung der Zukunft so bedeutungsvolle Thema gegenüber den beiden anderen fachübergreifenden Themenfeldern – Berufsorientierung sowie Informationstechnologie und Medienkunde – unnötig ab.

Die Grünen würden es begrüssen, wenn pro Fachbereich eine nicht allzu weit gesteckte Bandbreite an Lektionen definiert wird: Eine Gesamtlektionenzahl pro Zyklus (Schulstufe), aber ohne die Vorschrift von Wochenlektionen. Sie äussern Bedenken, ob für die fachübergreifenden Themen die notwendige Zeit zur Verfügung sein wird. Die Empfehlung „überall einfliessen lassen“ könnte sich als untauglich erweisen. Darum regen die Grünen an, zumindest pro Zyklus Mindestzeitgefässe zu bezeichnen. Für die Umsetzung sind andere Formen als wöchentliche Lektionen denkbar, beispielsweise Projekttage oder Epochenunterricht. Wichtig wird auch sein, dass sich genügend Lehrpersonen in den fachübergreifenden Themen qualifizieren. Das geht nur arbeitsteilig, es ist unmöglich und unnötig, dass jede Lehrperson alles kann.

Insgesamt muss die Weiterbildung für alle Lehrpersonen intensiviert werden, um sie gut auf die neuen Lehrpläne vorzubereiten. Für die Umsetzung des Lehrplan braucht es auch entsprechend aufbereitete Unterrichtsmaterialien, wobei viele bestehende Lehrmittel durchaus geeignet sind: Sie müssten allenfalls um einige Erläuterungen und Verweise ergänzt werden. Die Lehrmittelfrage ist aus Sicht der Grünen kein Stolperstein auf dem Weg zum deutschschweizerischen Lehrplan 21.

Ein ungeklärtes Thema sind allerdings die Leistungsbewertungen bei einer konsequenten Ausrichtung auf den Kompetenzerwerb. In diesem Feld ist in den nächsten Jahren interkantonal noch viel zu leisten, und auch dafür müssen die Lehrpersonen weitergebildet werden. Die Grünen sind überzeugt: Für die Verankerung der neuen Lehrpläne in der Volksschule braucht es ausreichend Zeit sowie die verlässliche Unterstützung der politischen Behörden.