Integration in Solothurn

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung 2013 fand ein gemeinsam mit dem Kultur- und Solidaritätsverein Solothurn organisierter öffentlicher Anlass zum Thema «Integration in Solothurn» statt. Einerseits wurden die Integrationsangebote der Städte Solothurn und Olten verglichen, anderseits legten der Vertreter des Co-Organsiators, Kemal Sönmez, sowie einige Teilnehmer aus dem Publikum dar, woran es aus ihrer Sicht noch mangle.

Integration Luzia Stocker
Luzia Stocker

Einleitend erläuterte die Präsidentin der Oltner Integrationskommission, Luzia Stocker, den langen und schwierigen politischen Weg vom praktischen Totalabsturz der Integrationsbemühungen zur heute anerkannten Institution.

Dann erläuterte die Integrationsbeauftragte der Stadt Olten – Donata Mikosch, sie arbeitet mit einem 50%-Pensum – das vielfältige und offenbar gut aufgenommene Angebot in Olten. Wichtig scheint dabei vor allem das Mitmachen der einheimischen Bevölkerung, wobei sogar eine Art Patenschaften zu den ausländischen Einwohnern entstehen.

Donata Mikosch
Donata Mikosch

Oberste Priorität hat die sprachliche Integration – aber ohne Kontakte zur einheimischen Bevölkerung nützt diese wenig. Allein der Sprache möchtig zu sein, heisst noch lange nicht, dass man sich wirklich versteht, was angesichts der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe leicht einsehbar ist. Multikulturelle Spielgruppen finden grossen Anklang, genau so wie Sprachkurse, die von Müttern und ihren Kindern gemeinsam besucht werden. Wichtig ist auch die Betreuung der Schüler und Schülerinnen in den Abschlussklassen, die vor der Berufswahl stehen und eine Lehrstelle suchen.

Im Anschluss an diese beiden Referate leitete Heinz Flück eine Podiumsdiskussion.

Integration PodiumDaran nahmen ausser den beiden Referentinnen (2. und 3. von rechts) noch teil (von links):

Eva Gauch, Betriebsleiterin Altes Spital
Catalina Walther, Fachverantwortliche Integration Altes Spital
Brigit Wyss, Gemeinderätin Grüne Stadt Solothurn
Kemal Sönmez, Sozialanthroploge, Kultur- und Soidaritätsverein Solothurn

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Städten ist deren politisches System, mit Parlament und Stadtrat in Olten, Stadtpräsident mit professioneller Verwaltung und „Laienexekutive“ in Solothurn, wie Brigit Wyss herausstrich.

In Solothurn ist die Verantwortung für das Thema mit Leistungsauftrag an das Alte Spital delegiert.  Deshalb fehlt der direkte Kontakt von der Politik zur Front. Speziell erwähnte sie die Motion der Jungen Grünen, welche alle Einwohner bei Erreichen der Volljährigkeit an der Jungbürgerfeier beteiligen wollten, die aber vom Stadtpräsidenten und seinem Juristen mit einfacher Begründung zurückgewiesen wurde.

Eva Gauch und Catalina Walther stellten fest, dass die Angebote in den beiden Städten wohl etwa zu 80% vergleichbar seien. Was fehle, sei der Kontakt vom Alten Spital zu den verschiedenen Verwaltungsstellen. Im Moment scheine sich mit der neuen Leiterin des Sozialamtes aber diesbezüglich eine Verbesserung abzuzeichnen. Catalina Walter beklagte den Entscheid des Nationalrates, nur noch die Aufenthaltsjahre mit Ausweis C bei der Berechtigung zur Einbürgerung anzurechnen: «Was sage ich jetzt meinen ‚Kunden’»?

Kemal Sönmez beklagte den Mangel an effektiver Integration. Solange die Betroffenen nicht wirklich ernst und als gleichwertige Mitbürger ernst genommen würden, können nicht von wirklicher Integration gesprochen werden. Für viele sei es schwierig, neben der Arbeit sich noch in einem Kultur- oder Migrantenverein zu engagieren, so dass diesen keine stabile Führung hätten. Häufig seien auch die Kosten zu hoch, da die Vereine für Lokalmieten aufkommen müssten.

Integration PublikumAus dem Publikum wurde darauf hingewiesen, dass die Schweiz in ein Problem gerate, wenn sie weiterhin 25% der Bevölkerung de facto aus der Verantwortung ausschliesse. Der Kontakt zwischen Politik und Migranten sei wichtig. Diese Veranstaltung sei der erste Anlass, wo die Migranten sich überhaupt ernst genommen fühlten. Dass das Interesse gross ist, bewies der grosse Publikumsaufmarsch, allerdings, abgesehen von wenigen Einheimischen, praktisch ausschliesslich aus einem Kulturkreis.