Oltner Grüne fordern die Wiederbesetzung der Umweltfachstelle

Die Stellenleiterin der Fachstelle Umwelt Energie Mobilität Olten hat auf den 30. Juni 2014 gekündigt. Die Stadt entschied daraufhin, diese Stelle nicht mehr zu besetzen, was einer Aufhebung der seit 28 Jahren bestehenden Fachstelle Umwelt Energie Mobilität entspricht. Verschiedene Aufgaben der Fachstelle werden in Zukunft von anderen Verwaltungsstellen abgedeckt. Ob das Know-how dafür vorhanden ist, ist mehr als fraglich. Was aber noch viel schwerer wiegt, ist die komplette Streichung wichtiger Aufgaben der Umweltfachstelle, namentlich die gesamte Umweltbildung. Dazu gehören unter anderem Exkursionen und Begehungen, Gartensprechstunden und -workshops, Wildblumenmarkt, Umweltkalender und das gesamte Angebot der Wald- und Umweltschule Olten.

Die Grünen wollten mit einer Interpellation Details zur inzwischen erfolgten Stellenstreichung erfahren. Die Antworten des Stadtrats bestätigen nun die Befürchtungen der Grünen: Eine Abschaffung der Fachstelle Umwelt Energie Mobilität hätte weitreichende Konsequenzen, von Know-how-Verlust über Leistungsabbau gegenüber der Einwohnerschaft über drohende Mehrkosten für Drittaufträge.

Die Grüne Fraktion wird nun – basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen – am Mittwoch, 25.6. eine Motion einreichen, die den Stadtrat beauftragt, 50% der gestrichenen 70% wieder zu besetzen, damit die Kernaufgaben der Umweltfachstelle auch in Zukunft zu erfüllt werden können.

 

Motionstext: Grüne Fraktion Olten, 23. Mai 2014

Motion Fachstelle Umwelt Energie Mobilität

Der Stadtrat wird beauftragt, die nach den Massnahmen im 1. Entlastungspaket und der Verschiebung von 20 % GIS-Zuständigkeit ins Katasterbüro vorgesehenen 50 Stellenprozent in der Fachstelle Umwelt Energie Mobilität wieder auszuschreiben und zu besetzen.

Begründung

Die Antworten auf die Interpellation der Grünen vom 22. Mai (im Anhang) führen zum Schluss, dass bei einer Abschaffung der Umweltfachstelle wichtige Leistungen der Stadt inskünftig nicht mehr oder nicht mehr adäquat erbracht werden können.

  1. Jene Aufgabenbereiche der Fachstelle Umwelt Energie Mobilität, die nicht ganz aufgehoben werden, werden inskünftig von städtischen Angestellten ohne entsprechende Ausbildung (Naturwissenschaften, Umweltausbildungen) ausgeführt. Für die GIS-Aktivitäten beispielsweise ist aber zumindest eine fachliche Begleitung im Umweltbereich unabdingbar. Bei anderen Aufgaben wird die Ausführung geregelt, die innovative und konzeptionelle Betreuung wird aber in Zukunft fehlen.
  2. Es wird einen Mehraufwand im Zusammenhang mit externen Dienstleistungen etwa für die Energiestadt Reaudits geben. Diese werden von der Stadt nicht quantifiziert. Dasselbe gilt für die Mitwirkung beim Cercle indicateur und der Erhebung der Nachhaltigkeitsindikatoren sowie der städt. Vertretung bei den Klimabündnisstädten Schweiz. Analog ist mit einer noch nicht ausgewiesenen Einbusse bei Zuschüssen etwa vom Bund zu rechnen.
  1. Der wichtigste Punkt ist der komplette Verzicht auf Umweltbildung sowohl für die Bevölkerung im Allgemeinen und die Schulkinder im Speziellen. Die Angebote für die ganze Bevölkerung umfassen derzeit beliebte Aktionen und Dienstleistungen wie Exkursionen und Begehungen von ökologisch interessanten Gebieten, Gartensprechstunden und -workshops, Wildblumenmarkt, Umweltkalender, um nur einige zu nennen. Viele Aktionen finden beim Cultibo statt und haben somit auch einen Integrationsaspekt. Dabei geht es nicht nur um Freizeitgestaltung, sondern um eine wesentliche Fördermassnahme für die „grüne Infrastruktur“ der Stadt.

Die jeweils mit grossem Erfolg durchgeführten Waldtage an den Oltner Schulen – mehrheitlich über Drittmittel finanziert – sollen wie alle Aktivitäten der Wald- und Umweltschule gestrichen werden.

Es ist längst bekannt, dass Naturerfahrung für die seelische Entwicklung der Kinder eine zentrale Bedeutung hat, aber auch dass in der heutigen urbanisierten Welt diese Naturerfahrungen häufig in erschreckendem Ausmass fehlen. Umweltbildung meint nicht Erziehung mit dem Mahnfinger, sondern in erster Linie die Förderung eines emotionalen Zuganges zu unserer natürlichen Umwelt. Es ist katastrophal, wenn die Stadt für diese Aufgabe nicht einmal mehr im bisherigen, bescheidenen Rahmen Mitverantwortung übernimmt.

  1. Der Verweis, dass für die Umweltkonformität von Planauflagen und Gestaltungsplänen das kantonale Amt für Umwelt beigezogen werden kann, ist nicht befriedigend. Gerade bei städtischen Liegenschaften oder Projekten mit strategischem Potential besteht die Gefahr, dass beim Fehlen von internem Know-how im Zweifelsfall ökologische Aspekte im Sinne einer Güterabwägung ignoriert werden.

Der vollständige Verzicht auf all diese über Jahre entwickelten und beliebten Dienstleistungen darf nicht einfach über die Streichung von Stellenprozenten geschehen, sondern muss im Rahmen einer Diskussion über die strategische Ausrichtung der Stadt abgewogen werden.